Um euch die dunklen Winterabende ein wenig zu versüßen und euch vielleicht auch zum ein oder anderen Studio- und Bildbearbeitungsexperiment zu inspirieren, haben Kollege Sebastian Gerhard und ich heute ein umfangreiches Doppel-Tutorial zum Thema “Rauch” für euch. Auf Sebastians Blog findet ihr ein ausführliches und reich bebildertes Tutorial dazu, wie man Rauch im Studio fotografieren kann. Und hier erfahrt ihr nachfolgend, welche Bearbeitungsmöglichkeiten es in Photoshop für Rauchbilder gibt, und wie man sie kreativ verfremden oder zum Beispiel für Digitale Composings einsetzen kann. Los geht’s! (Wie immer gilt: Bilder anklicken für vergrößerte Darstellung.)
Teil 1: Ausgangsbild optimieren und bereinigen
Im ersten Teil dieses Tutorials werden wir eine Aufnahme von Rauch im RAW-Editor optimieren und hinterher in Photoshop bereinigen. Wenn ihr euch die Arbeit macht, Rauch selber im Studio zu fotografieren, so empfehle ich euch absolut dringend, im RAW-Format zu fotografieren um hinterher noch alle Möglichkeiten zur verlustfreien Bildoptimierung zu haben. Die nachfolgend im RAW-Editor gezeigten Bearbeitungsschritte könnt ihr zwar auch direkt in Photoshop an einem JPEG vornehmen, allerdings wird es dabei mit hoher Warscheinlichkeit zu Qualitätseinbußen kommen, und das kann man ja vorher vermeiden.
Zuerst öffnen wir das Ausgangsbild im RAW-Editor:
Nun nehme ich im RAW-Editor meine Einstellungen vor, und zwar wie folgt:
Da der Rauch im Originalfoto ins Bläuliche tendiert, verstärke ich diesen Effekt durch eine Veränderung der Farbtemperatur auf 5900 k. Desweiteren erhöhe ich die Belichtung, minimal auch das Füllicht, den Schwarzwert, den Kontrast und die Klarheit. Mit diesen Einstellungen öffne ich das Bild dann in Photoshop. Wenn ihr später im RAW-Editor eventuell noch Änderungen vornehmen wollt, könnt ihr das Bild auch durch gedrückt halten der Shift-Taste beim Öffnen als Smart-Objekt öffnen.
Beim Fotografieren von Rauch werden unweigerlich auch störende Rußpartikelchen mit aufgenommen. Diese gilt es nun zu beseitigen. Dies könnt ihr gezielt mit dem Ausbessern-Werkzeug und an manchen Stellen auch mit dem Kopierstempel-Werkzeug erledigen.
Habt ihr viele störende Flecken in den schwarzen Außenbereichen des Bildes, könnt ihr dort natürlich auch einfach mit einem schwarzen Pinsel drübergehen, anstatt jeden Partikel einzeln mit dem Werkzeug zu entfernen. Unser bereinigtes Bild sieht dann so aus:
Dieses Bild könnt ihr nun beispielsweise sehr einfach mit dem Befehl Bild –> Korrekturen –> Farbton/Sättigung in seiner Farbigkeit verändern, so etwa:
Teil 2: Farbspiele
Das Sache mit der Farbigkeit geht natürlich auch noch kreativer und vielseitiger. Um euch das zu demonstrieren, werde ich als nächstes das Bild umkehren. Dafür wendet ihr auf das Foto den Befehl Bild –> Korrekturen –> Umkehren an.
Nach dem Umkehrprozess erhaltet ihr dieses Ergebnis:
Nun möchte ich dem Rauchfoto eine spacige Zweifarbigkeit verpassen. Hierfür lege ich zwei Kopien der Arbeitsebene an. Die erste Ebenenkopie färbe ich mit dem Befehl Bild –> Korrekturen –> Farbton/Sättigung in ein kräftiges Lila:
Die zweite Ebenenkopie färbe ich mit derselben Methode Blau:
Die beiden eingefärbten Ebenen liegen im Ebenenmenü nun übereinander, sodass ich mithilfe einer Ebenenmaske einen Teil der blauen Ebene ausblenden und dadurch die lilane Ebene ins Bild holen kann:
Dies kann man natürlich beliebig weit treiben und an beliebigen Stellen des Bildes machen, um kreative Farbeffekte zu erzeugen. Natürlich kann man das Spielchen auch mit beliebig vielen Farben machen.
Und selbstverständlich kann man hinterher die Farbtöne wieder beliebig oft mit der bekannten Methode ändern:
Zum Abschluss der Bearbeitung kann man nun je nach Bild beispielsweise noch die Tonwerte ein wenig korrigieren oder die Sättigung erhöhen, um noch knalligere Farben zu erhalten.
Nun ist eure Fantasie gefragt, denn die Möglichkeiten der Farbkombination und Bildvariation sind an sich unbegrenzt. Probiert alles aus, spielt herum, seid kreativ.
Teil 3: Einbauen von Rauch in Bilder / Digitale Composings mit Rauch
Rauch ist ein tolles Mittel, um bei kreativ bearbeiteten Bildern tolle Effekte zu erzielen. Anhand des Bildes “Amor” möchte ich euch einen Weg zeigen, wie man recht unkompliziert Rauch in Bilder einfügt. So sieht das fertige Bild aus:
Zuerst suchen wir uns eine passende Rauchaufnahme. In diesem Fall handelt es sich dabei um dieses Bild:
Im ersten Bearbeitungsschritt entsättigen wir die Aufnahme über den Befehl Bild –> Korrekturen –> Farbton/Sättigung:
Nun ändern wir die Farbe des Rauches in einen Rotton, der zu unserem Gesamtbild passt. Hierfür nutzen wir den Befehl Bild –> Korrekturen –> Farbbalance.
Wer in den vorangegangen Teilen dieses Tutorials aufgepasst hat, wird sich nun fragen: warum müssen wir erst entsättigen und dann die Farbe wieder reindrehen, anstatt gleich über den Befehl Bild –> Korrekturen –> Farbton/Sättigung zu gehen und die Farbe des Rauches zu ändern? Darum:
Da der Originalrauch ein starkes Blau ohne große Helligkeits- und Kontrastunterschiede aufweist, würde sich bei einer direkten Umwandlung des Farbtons ein greller roter Rauch ohne Licht- und Kontrastpunkte ergeben. Und sowas wollen wir ja nun wirklich nicht.
Unseren richtig umgefärbten Rauch fügen wir nun per Kopieren / Einfügen in das Composing-Bild ein, und zwar als neue Ebene über allen anderen Ebenen:
Als nächstes ändern wir den Ebenenmodus unserer Rauch-Ebene auf Negativ Multiplizieren, das sieht dann so aus:
Nun wird der Rauch einmal horizontal gespiegelt und mit dem Transformieren-Tool sowohl in der Größe als auch Perspektivisch so verzerrt, bis er zum Bogenschützen passt. Das habe ich hier fürs Tutorial nur ganz grob gemacht, im Originalbild ging dafür doch Einiges an Zeit drauf, bis ich zufrieden war.
Per Ebenenmaske können wir nun die Kanten des Rauchbildes verschwinden lassen, indem wir in der weißen Ebenenmaske (Befehl Ebene –> Ebenenmaske –> Alle einblenden) mit einem schwarzen Pinsel über die Bereiche malen, die wir ausblenden wollen.
Bis zur endgültigen Fertigstellung des Rauches, wie ihr ihn eingangs im fertigen Bild “Amor” gesehen habt, sind noch diverse Zwischenschritte nötig – Tonwertkorrekturen, zusätzliche Ebenen-Duplikate usw. usf., all dies zu erklären würde den Rahmen hier sprengen. Das Prinzip, wie ihr Rauch vor einfarbigem Hintergrund in ein Bild einfügt, ist und bleibt immer dasselbe: Negativ Multiplizieren, wenn der Rauch vor schwarzem Hintergrund ist. Ist er vor weißem Hintergrund, einfach das Originalbild umkehren damit der Hintergrund Schwarz wird, und dann die Ebene Negativ Multiplizieren. Eigentlich kinderleicht, wenn man es einmal weiß.
Mit Rauch könnt ihr jede Menge kreativer Effekte erzielen; weitere Anwedungsmöglichkeiten seht ihr beispielsweise bei diesen zwei Bildern:
Dieses kleine Tutorial hat euch die Grundlagen des Umgangs mit Rauch-Bildern in Photoshop hoffentlich einigermaßen verständlich und nachvollziehbar nähergebracht. Bei Fragen: fragen!
Sebastian und ich sind sehr gespannt, was ihr mit Rauch so alles anstellt und würden uns freuen, wenn ihr die Ergebnisse eurer Experimente vielleicht hier in unseren Blogkommentaren verlinkt.
Herzlichst,
Evey
























[...] in zwei Teilen: Der fotografische Teil wird von mir behandelt, der bildbearbeitende Teil von Evangeline – und der jeweils andere erscheint dann als Gastbeitrag auf dem Blog des anderen. Eine kleine [...]
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